Der Monat im Rückblick: Januar 2023

u.a.
Ukraine | Innenpolitik | Energie | Handel | Entlassungswelle
und eine “Good News”-Sektion


(insgesamt 14 Minuten Lesezeit)

Der Blitzüberblick_

  • Die wichtigsten Themen im Januar:Waffenlieferungen an die Ukraine
  • Ein Aufstand in Brasilien
  • Boris Pistorius ersetzt Christine Lambrecht als Verteidigungsminister
  • Die Energiekrise und damit die Inflation entspannen sich etwas, die Stimmung in der Wirtschaft legt zu
  • Massenentlassungen in Konzernen weltweit, doch insgesamt bleiben viele Firmen robust

Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine_

(30 Sekunden Lesezeit)

Turbo-Zusammenfassung: Die Ukraine erhält Schützen- und Kampfpanzer. Russland erobert Soledar; bereitet eine Frühjahrsoffensive vor.

  • Westliche Staaten sicherten Anfang des Monats die Lieferung von Schützen- und Spähpanzern zu, nur knapp drei Wochen später dann jene von Kampfpanzern. Die Ukraine erhält Bradleys und M1 Abrams aus den USA, Leopard 2 und Marder aus Deutschland (dazu Leopard 2 aus mehreren anderen europäischen Staaten), den AMX-10RC aus Frankreich und den Challenger 2 aus Großbritannien. Insgesamt erwartet die Ukraine 321 “schwere Panzer” – vermutlich sind damit alle Modelle gemeint.
  • Russland erobert die Ortschaft Soledar nahe Bakhmuts, der erste nennenswerte Erfolg seit der Donbass-Offensive im Sommer. Für Frühjahr oder schon Februar zeichnet sich eine größer angelegte Offensive ab; Beobachter spekulieren, dass sie sich auf den Donbass konzentrieren dürfte.
  • Die Ukraine stellt nach dem Unfalltod des Innenministers und mehreren hochrangigen Korruptionsvorwürfen die Regierung um.


Ukraine war: why Zelensky’s corruption purge could be key to the outcome of the conflict – The Conversation

Manpower will be crucial for Russia to mount a spring offensive – Politico

Was passiert im politischen Deutschland?_

(30 Sekunden Lesezeit)

Turbo-Zusammenfassung: Die Verteidigungsministerin geht, Boris Pistorius übernimmt. Eine Wahlrechtsreform trottet voran.

Verteidigungsministerin Lambrecht (SPD) ist nach monatelangen Forderungen zurückgetreten. Sie wird durch Boris Pistorius ersetzt. Seine größten Aufgaben werden die Lieferungen von Panzern an die Ukraine, der Nachkauf von Material für die Bundeswehr, der breitere Einsatz des neuen Sondervermögens und die Reform des Beschaffungswesens sein.

Bundeswehr bestellt Ukraine-Material kaum nach – FAZ

Ein Vorstoß der Ampelregierung zur Reform des Wahlrechts trifft auf wenig Gegenliebe seitens der Union. Ziel ist es, die Zahl der Abgeordneten im Bundestag von 736 auf 598 zu senken, indem Überhang- und Ausgleichsmandate wegfallen. Ohne die Union ist es allerdings unwahrscheinlich, dass etwas passiert. Erwarte dazu in den kommenden anderthalb Monaten mehr Diskussionen.

Abgeordnete fordern weniger Egoismus bei Wahlrechtsreform – MDR

(Mehr in der Rubrik “Wirtschaft in Deutschland”)

Die Welt an den Urnen_

(1 Minute Lesezeit)

Die Türkei wählt früher…

Schon am 14. Mai werden in der Türkei Parlament und Präsident gewählt. Präsident Erdogan möchte sich gemeinsam mit seiner Partei AKP im Amt bestätigen lassen, doch die Opposition ist ihnen an den Fersen. Der Wahlkampf scheint längst begonnen zu haben: Die Regierung überhäuft die Bevölkerung mit Sozialmaßnahmen und die fraglich-unabhängigen Gerichte verbieten dem beliebten Istanbul-Bürgermeister die Wahlteilnahme und erwägen ein Verbot der Kurdenpartei HDP. Die Wahl wird wichtig, denn sie wird zeigen, wie viel Demokratie die Türkei heute noch ist.

Turkey’s next election could be the country’s last real democratic vote – The Intercept

Turkey is still just a democracy, but it is not certain to remain that way – The Economist

… und lässt Schweden daran teilhaben

In den Strudel der Wahl scheint auch der schwedische NATO-Beitritt zu geraten: Ankara ist dermaßen wütend über eine Koranverbrennung durch einen Rechtspopulisten in Schweden, dass es den Beitritt des Landes blockieren möchte. Zudem weigert sich Stockholm, gewisse Kurden auszuliefern, da das die Unabhängigkeit der Justiz aushebeln würde. Sollte der schwedische Beitritt nicht zustandekommen, würde auch Finnland auf seinen Beitritt verzichten. Das letzte Wort ist hierbei noch nicht gesprochen. Nicht nur, weil EU und USA Druck machen dürften, sondern eben auch, weil der türkische Wahlkampf ja irgendwann auch wieder vorbei ist.

Honorable mentions: Der finnische Außenminister deutet an, dass Russland die Koranverbrennung beeinflusst haben könnte. Beweise legt er dafür keine vor, doch dem verantwortlichen Rechtspopulisten wurden in der Vergangenheit Russland-Verbindungen vorgeworfen.

Explainer: Why is Turkey blocking Sweden and Finland NATO membership? – Reuters

Innenpolitik in aller Welt_

(3 Minuten Lesezeit)

Turbo-Zusammenfassung: Aufstand in Brasilien; Massenproteste in Peru, Israel und Frankreich; China kehrt zur Normalität zurück; Streitereien und Skandälchen in den USA.

Brasilien

Bolsonaristas – Anhänger des abgewählten Präsidenten Bolsonaro – stürmten Anfang des Monats den Regierungsbezirk in Brasilia. Im Stile der Trumpisten in den USA verlangten sie einen Abtritt der Lula-Regierung, welcher sie Wahlbetrug, einen Plan zur Einführung des Kommunismus und, mitunter, Satanismus vorwarfen. Die Sicherheitskräfte zerschlugen den Aufstand. Die Regierung macht sich mit viel Aktivität an die Aufarbeitung: Der Armeechef musste gehen, ebenso der Sicherheitschef und der Gouverneur von Brasilia. 1.500 Verdächtige wurden verhaftet, darunter ein Ex-Justizminister. Gegen Bolsonaro, welcher sich noch in den USA aufhält, wird ermittelt. Das Chaos, welches in Brasilien nach der Wahl ausgeblieben war, kam mit etwas Verspätung.

We Will Die for Brazil’: How a Far-Right Mob Tried to Oust Lula – New York Times

Peru

Auch in Peru sorgte ein Regierungswechsel für Gewalt. Ex-Präsident Pedro Castillo war nach einem Manöver im Dezember, welches unangenehm stark nach einem Selbstputsch aussah, vom Parlament abgesetzt worden. Seine vor allem ärmeren, indigenen Anhänger sind seitdem zornig. Erst forderten sie die Wiedereinsetzung Castillos, jetzt vor allem die Absetzung der neuen Staatschefin Dina Boluarte. Die Protestler setzen auf massiven zivilen Ungehorsam und teilweise Gewalt; die Sicherheitskräfte reagieren robust bis brutal. Dutzende Tote fachen die Proteste nur weiter an; in mehreren Regionen herrscht der Notstand. Boluarte appelliert an das Land, einen “Waffenstillstand” mit sich selbst einzugehen. Erwarte kein schnelles Ende.

Peru’s embattled president could have eased the crisis. What happened? – CNN

Israel

Die neue rechte Regierung in Israel macht sich daran, eine Justizreform umzusetzen, welche das Oberste Gericht schwächen würde. Dagegen gingen im Januar Zehntausende Israelis auf die Straße. Für noch mehr Krisenstimmung sorgte ein Urteil des Gerichts, welches Premier Netanjahu dazu zwang, einen wichtigen ultrareligiösen Koalitionspartner aus dem Kabinett zu schmeißen. Das wird die Regierung bedeutend destabilisieren.

Israeli justice reforms spark tech investor flight fears – Reuters

China

China kämpft nach der Zero-Covid-Kehrtwende mit einer großen Covid-Welle, welche laut eigenen Angaben bereits 80 Prozent der Bevölkerung infiziert habe. Die Einwohner genießen derweil ihre neuen Freiheiten, beispielsweise mit einer großen Reisebewegung rund um das chinesische Neujahr. Protestler, welche im November gegen Zero Covid auf die Straße gegangen waren, sind derweil teilweise noch immer in Haft oder werden neu verhaftet.

Xi Faces Dilemma as China Quietly Detains Young Covid Protesters – Bloomberg

Frankreich

Präsident Macron, welcher keine Wiederwahl mehr anzustreben hat, möchte sein Flaggschiffprojekt durchdrücken: Eine Vereinfachung des Rentensystems mitsamt Anhebung des Eintrittsalters. Bei der Bevölkerung, den Gewerkschaften und der linken Opposition ist das Vorhaben regelrecht verhasst, doch Macron (und viele Ökonomen) sehen es als Notwendigkeit. Dank der konservativen Republikaner hätte er genügend Stimmen, um es zur Realität zu machen. Nun gilt es aber erst einmal, Massenproteste und Streiks auszusitzen.

Why the French Want to Stop Working – The Atlantic

USA

Das Repräsentantenhaus hatte noch gar nicht die Arbeit aufgenommen und schon zeigte sich der innerparteiliche Streit der Republikaner: Die Trumpisten nahmen das Amt des Unterhaussprechers in Geiselhaft und zwangen die moderate Fraktion zu Konzessionen, zum Beispiel bei der Ausgabenpolitik. Entsprechend wird nun der Schuldendeckel zur nächsten politischen Geisel; in den nächsten Monaten werden Republikaner und Demokraten mit dem Schreckgespenst eines Staatsbankrotts versuchen, politische Ziele durchzusetzen.

Präsident Biden geriet im Januar in eine Affäre um Geheimdokumente, welche in seinem Privatbesitz gefunden wurden. Es wäre vermutlich nur eine Fußnote geblieben, hätte es nicht einen ähnlichen, sehr öffentlichkeitswirksamen Skandal rund um Ex-Präsident Trump – weitaus mehr Dokumente, welche er sich zudem geweigert hatte, herauszugeben – gegeben (übrigens erlebt auch Ex-Vizepräsident Pence seine Miniversion der Affäre). Für Biden kommt der kommunikativ peinliche Skandal zur Unzeit, denn er scheint kurz davorzustehen, seine Kandidatur für 2024 anzukündigen – nach einem eigentlich sehr erfreulichen Halbjahr.

Biden and Pence documents reveal US crisis of ‘overclassification’, expert says – The Guardian

Exclusive: Biden to court wealthy donors as he preps 2024 campaign in coming weeks – sources – Reuters

Viele schnelle Good News_

(1,5 Minuten Lesezeit)

Politik

  • Auf den Philippinen hat die prominente Journalistin Maria Ressa einen Freispruch in einem umstrittenen Steuerhinterziehungsverfahren erhalten. Sie war mit der autoritären Regierung von Ex-Präsident Rodrigo Duterte aneinander geraten.
  • Tansania hat seinen bekanntesten Oppositionspolitiker zurück: Unter der neuen Regierung von Präsidentin Samia Suluhu Hassan hat sich das politische Klima derart verbessert, dass Tundu Lissu aus dem selbstgewählten Exil in Belgien zurückkehren kann.

Wirtschaft

  • Die Energiekrise hat sich dank eines milden Winters deutlich entspannt. Die europäischen Gaspreise liegen auf dem niedrigsten Stand seit September 2021, die Speicher sind prall gefüllt.
  • Entsprechend schwächt sich die Inflation in den westlichen Industriestaaten spürbar ab. In Deutschland sanken die Großhandelspreise im Dezember gar so schnell wie seit 2008 nicht mehr. In Kanada stellte erstmals eine Industriestaaten-Zentralbank ein Ende von Leitzinserhöhungen in Aussicht.
  • Das sorgt für eine deutlich bessere Stimmung in der Wirtschaft, wie zum Beispiel ifo-Index oder Einkaufsmanagerindizes zeigen.

Gesellschaft

  • Interpol verhaftete den meistgesuchten Menschenhändler der Welt, einen Eritreer im Sudan.
  • Italienische Behörden verhafteten den meistgesuchten Mafioso des Landes, welcher zum letzten Mal in den 1990ern gesehen worden war.
  • Deutsche und amerikanische Ermittler haben die vermutlich aus Russland operierende Hackergruppe Hive zerschlagen, welche mit Ransomware-Attacken auf mindestens 1.500 Firmen auf sich aufmerksam gemacht hatte.
  • In Norwegen entdecken Archäologen den ältesten bekannten Runenstein mit 2.000 Jahre alten Inschriften.
  • In Ägypten haben Archäologen die wohl älteste bekannte Mumie gefunden. Sie ist 4.300 Jahre alt und bemerkenswert gut erhalten.

Forschung und Innovation

  • Das Ozonloch steht vor der vollständigen Regeneration innerhalb der nächsten Jahrzehnte, so ein UN-Report – ein historischer Erfolg der internationalen Klimapolitik. Der Menschheit ist es gelungen, eines ihrer Megathemen aus den 1980ern und 90ern abzuschließen.
  • In den USA wurde der erste Impfstoff für Honigbienen genehmigt, er soll vor der gefährlichen Faulbrut schützen.
  • Die USA haben dem erst zweiten nachweislich wirksamen Alzheimer-Medikament Lecanemab die Genehmigung erteilt. Es verlangsamt den kognitiven Niedergang offenbar um 27%.
  • Die American Cancer Society hat verkündet, dass die Zahl der Krebstoten in den USA seit 1991 um 32% gefallen ist – ein Beweis für die stetigen Verbesserungen in Prävention, Diagnostik und Therapie.

Wirtschaft: Megathema Energie

(30 Sekunden Lesezeit)

Turbo-Zusammenfassung: Licht am Ende des Tunnels? Die Energiekrise hat sich deutlich entspannt – einem milden Winter sei Dank. Deutschlands LNG-Kapazitäten gehen allmählich an den Start.

Ein außerordentlich milder Winter bringt Europa sicher durch die Energiekrise. Mit etwa 55 EUR/MWh liegen die Gaspreise des Kontinents (TTF) derzeit so niedrig wie zuletzt im September 2021, als die Energiekrise überhaupt zum ersten Mal anfing, die Schlagzeilen zu beherrschen. Die Gasspeicher sind mit 82 Prozent in Deutschland und 75 Prozent EU-weit so gut gefüllt wie noch nie zu diesem Zeitpunkt. Damit bringt sich Europa in Stellung, durch den Winter 2023/24 besser zu kommen, als mitunter befürchtet. Der aktuelle Winter ist, das lässt sich selbstbewusst festhalten, geschafft.

Deutschland bringt sich für seine kurz- und mittelfristige Gasversorgung durch Flüssigerdgas-Terminals in Stellung. Zwei weitere temporäre Terminals, sogenannte FSRU, gingen im Januar an den Start, womit es nun drei insgesamt gibt, welche bereits Flüssigerdgas (LNG) liefern. Sie können bis zu 15 Milliarden Kubikmeter verarbeiten, etwa ein Drittel der früheren russischen Lieferungen. Im Jahresverlauf stoßen weitere drei FSRU mit ähnlicher Kapazität dazu; ab 2025/26 dann feste Terminals. Die Verfügbarkeit von LNG auf dem Weltmarkt wird damit zur zentralen Frage. Chinas “Wiedereröffnung” nach dem Zero-Covid-Aus könnte den Wettbewerb vertiefen.

Die Aktienmärkte_

(30 Sekunden Lesezeit)

Turbo-Zusammenfassung: Ein guter Monat für Märkte, welche im Jahresvergleich noch immer tiefrot sind. Optimisten sehen Einkaufschancen, Pessimisten sprechen von einer Bärenmarkt-Rallye. 

Index: 30-Tage-Entwicklung (1-Jahres-Entwicklung)
Dax 40: +7,66% (-2,08%)
S&P 500: +5,75% (-9,85%)
Dow Jones: +2,28% (-3,28%)
Nasdaq: +11,10% (-18,39%)
Nikkei: +4,94% (+1,41%)
Bitcoin: +39,04% (-39,07%)

Explainer zur Wirtschaftskrise (Juni 2022)
Explainer zum Tech-Crash (Mai 2022)

Die Geldpolitik_

(30 Sekunden Lesezeit)

Turbo-Zusammenfassung: Ein guter Jahresausklang für all jene, welche weniger Inflation bevorzugen – in Kürze sehen wir, ob sich die Entwicklung im Januar fortgesetzt hat.

Die Inflation bewegt sich in den Industriestaaten in die richtige Richtung: In Deutschland lag sie im Dezember bei 8,5% (Gesamtjahr 2022: 7,9%) und damit immerhin wieder auf dem Niveau vom Sommer, nach einem Oktober-Rekordhoch von 10,4%. Auch in der Eurozone ging es im Dezember mit 9,1% (November: 10,1%) steil runter. Die USA befinden sich mit 6,5% auf dem niedrigsten Stand seit einem Jahr.

Inflation developments in the euro area and the United States – ECB

Ganz anders in Argentinien, welches zuletzt mit 95% Inflationsrate den höchsten Stand seit 1991 vorgelegt hat. Allein im Dezember stiegen die Preise im Land um etwa 5%. Geldpolitische Instabilität und Hyperinflation sind für viele Argentinier ungeliebte Déjà-vus.

Argentina Inflation Hit Three-Decade High of 95% in 2022 – Bloomberg

Die Wirtschaft in Deutschland_

(1 Minuten Lesezeit)

Was erfuhren wir über die Wirtschaft in Deutschland?

Makro

  • Die Bundesregierung erwartet keine Rezession mehr für 2023, auch Wirtschaftsinstitute äußern sich etwas optimistischer als noch in den Vormonaten.
  • Die Verbraucherinflation sank im Dezember auf 8,5% nach 10,0% im Vormonat. Die Großhandelspreise sanken gar so schnell wie seit 2008 nicht mehr. Laut Ifo-Umfrage planen 40,3% der Firmen Preiserhöhungen, nach 46,2% im November.

Unternehmen und Arbeitsmarkt

  • Die Lieferkettenengpässe in der Industrie sind laut einer Ifo-Umfrage zum dritten Mal in Folge zurückgegangen. 50,7% der Firmen berichten von Problemen, im November waren es 59,3%.
  • Der Standortindex des Wirtschaftsinstituts ZEW warnt vor zahlreichen Schwächen im Standort Deutschland, darunter viel Bürokratie, teure Energie und lange Genehmigungsverfahren.
  • Das Wirtschaftsinstitut IW kommt zu dem Schluss, dass Deutschland weniger stark abhängig von China sei als befürchtet.
  • Laut dem Institut ifaa ist Deutschland unter den größten CO₂-Emittenten der Welt derjenige, welcher am produktivsten mit jeder Tonne CO₂ umgeht: 5.100 USD Wertschöpfung würden daraus entstehen; Japan folge mit 4.200 Tonnen.

Der Rest der Welt_

(1 Minute Lesezeit)

Turbo-Zusammenfassung: Überwiegend positive Signale aus den USA, China und Europa, wenn auch überall mit reichlich Risikofaktoren.

USA

Die US-Wirtschaft wuchs im vierten Quartal kräftig um 2,9%, doch zeigt zugleich gewisse Schwächen, darunter in den Einzelhandelsumsätzen, beim Konsum und am Arbeitsmarkt. Sollte es 2023 zu einer Rezession kommen, dürfte sie milde verlaufen – gute Nachrichten für das Land. Insofern, natürlich, die Politik die “Geiselnahme” der Schuldengrenze – die Republikaner verweigern eine Anhebung, weil die Regierung ihnen zu viel Geld ausgibt – nicht zu weit treibt und das Land in den völlig unnötigen Staatsbankrott treibt. Dieser scheint inzwischen jedes halbe Jahr als Gespenst herumzuspuken.

China

  • Die chinesische Wirtschaft erholt sich dank der Aufgabe der Zero-Covid-Politik wieder etwas. Mehrere Metriken, darunter auch Proxydaten wie der ÖPNV-Passagierverkehr oder die Kinokassenumsätze, deuten auf höhere Wirtschaftsaktivität hin
  • Das kommt China nur recht, denn 2022 hatte mit 3 Prozent nur ein für chinesische Verhältnisse sehr schwaches Wachstum gestanden. Da zeitgleich zum ersten Mal in 60 Jahren die Bevölkerung geschrumpft ist, rückt die Generationenfrage in den Vordergrund: Kann China reich werden, bevor es alt wird? 

Europa

  • Ein guter Monat für den Euroraum, siehe das Kapitel zur Energiekrise. Die Verbraucherstimmung, der Einkaufsmanagerindex und viele andere wichtige Metriken legten zu; als Kirsche auf der Torte fand Schweden ein großes Vorkommen für Seltene Erden, welches ihn zehn oder 15 Jahren zur europäischen Autarkiefähigkeit beitragen wird.
  • Nicht überall war alles rosig: Großbritannien erlebt noch immer eine Streikwelle; in Frankreich sorgte die Macronsche Rentenreform (siehe “Innenpolitik”) für Streiks und Massenproteste.

Handel im Fokus_

Turbo-Zusammenfassung: Die USA und die EU streiten weiter; Südamerika probiert’s mit Integration.

Der Beinahe-Handelsstreit zwischen der EU und den USA läuft weiter. Erstere findet, dass das Klima-Investitionspaket IRA der USA zu sehr zuungunsten Europas ausfällt und fordert Nachbesserungen; die Seiten verhandeln seit Monaten. Im Januar brachte sich Europa in Stellung, mit erleichterten Subventionen und Spezialfonds dagegenzuhalten. Der Diskurs dazu läuft in den nächsten Wochen weiter; mal schauen, ob er schneller durch ist, als die Verhandlungen zwischen Washington und Brüssel.

Schon vom “Global Gateway” gehört? Das EU-Pendant zur chinesischen Belt and Road Initiative – beides große Infrastruktur-Investitionsprogramme, welche ihren jeweiligen Block in Entwicklungsländern wichtiger machen sollen – läuft derzeit im Hintergrund an. Im Januar erfuhren wir mehr zu konkreten Projekten.

EU lines up 70 projects to rival China’s Belt and Road infrastructure spending – Politico

Erneute Anläufe zur tieferen regionalen Integration in Südamerika: Kolumbien will einen Pakt zur Unternehmensbesteuerung; Brasilien und Argentinien angeblich eine gemeinsame Währungsunion kreieren (in Wahrheit geht es nur um eine Spezialwährung für den bilateralen Handel). Beides ist nicht per se neu, allerdings auch nicht sehr aussichtsreich.

The sur: Argentina, Brazil put common currency plan on ice – DW

Brazil and Argentina’s joint currency plan raises economic concerns – FT

Business: Wo es nicht gut lief_

(1 Minute Lesezeit)

Turbo-Zusammenfassung: Viele Entlassungen, dazu mehr regulatorischer Druck auf einigen großen Konzernen.


Die Entlassungen…

Im Januar nahm die Entlassungswelle in der Wirtschaft an Fahrt auf. Nennenswerte Neueinträge waren die Techgiganten Alphabet (12.000 Stellen, ca. 6% der Belegschaft), Amazon (weitete seine Streichungen von 10.000 auf 18.000 Stellen aus, ca. 1%) und Microsoft (11.000, ca. 5%), die Softwarekonzerne Salesforce (7.400, ca. 10%) und SAP (3.000, ca. 3%), Streamingdienst Spotify (600, ca. 6%) und Großbank Goldman Sachs (3.200, ca. 6,5%). Autobauer Ford und Beratungs- sowie Prüfungsfirma EY streichen in Deutschland zusammen. Die Kryptofirmen Genesis (welches auch noch teilbankrott ging) und Coinbase streichen 30% bzw. 20% ihrer Stellen.


… und die Regulatoren

Das Bundeskartellamt prüft PayPal wegen mutmaßlicher wettbewerbsrechtlicher Verstöße. Ein irischer Gerichtsentscheid gegen Meta könnte das Geschäftsmodell um personalisierte Werbung in Gefahr bringen. Die US-Regierung versucht, Google zu zerschlagen, da es im Werbegeschäft zu mächtig geworden sei. Die EU-Kommission droht, TikTok zu verbieten, sollte es sich nicht stärker an Regeln rund um Jugend- und Datenschutz halten – ähnliche Töne gab es schon vorher aus den USA. VW muss aufgrund eines Gerichtsurteils (voraussichtlich) seine Betriebsratsvergütung radikal anpassen, was im Konzern für Unruhe sorgt.

Honorable mention: Ist das nun ein Erfolg oder nicht? Energieriese ExxonMobil scheint die Entwicklung des Klimawandels – sowohl klimatisch als auch im gesellschaftlichen Diskurs – so präzise vorhergesehen zu haben, wie nicht einmal die meisten Klimaforscher und Institute. Das wirft Fragen über die Bemühungen des Konzerns, Zweifel an der Klimaforschung zu säen, auf.

Wo es gut lief_

(30 Sekunden Lesezeit)

Turbo-Zusammenfassung: Überall nur Krise? Mitnichten, hier eine kleine Auswahl von Erfolgsstorys.

  • Der Luxuskonzern LVMH erlebte 2022 ein Rekordjahr und steht auch vor einem starken 2023.
  • Auch Chip-Technologieführer TSMC und der wichtige Zulieferer ASML lieferten im Januar starke Quartalszahlen ab.
  • Darüber hinaus hatten beispielsweise die Anleger von NetflixRWETesla und Hugo Boss Grund zur Freude.
  • Industriekonzern Siemens freut sich über einen Milliardenauftrag zum Ausbau des indischen Schienennetzes.
  • Microsoft hat sich tiefer in das (profitorientierte) KI-Forschungsinstitut OpenAI eingekauft, welches sich im Umkehrschluss über einen deutlichen Sprung in der Bewertung auf 29 Milliarden USD freut.
  • Der chinesische Batteriebauer CATL startet eine große Batteriezellenfabrik in Thüringen, in welche er 1,8 Milliarden EUR investiert hatte.

Startups_

(1 Minute Lesezeit)

Turbo-Zusammenfassung: Eine große Finanzierung für Enpal und erfolgreiche Zahlen bei Trade Republic.

Der Berliner Solaranlagen-Vermieter Enpal hat eine Series-D-Finanzierung über 215 Millionen EUR geschafft und seine Bewertung auf 2,25 Milliarden USD mehr als verdoppelt. Solche Series D waren in der deutschen Startupszene schon vor der Krise eine (beklagenswerte) Seltenheit, doch im aktuellen Wirtschaftsumfeld ist die Runde umso bemerkenswerter. Auch Trade Republic schrieb positive Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass es seinen Umsatz im vergangenen Jahr verdreieinhalbfachen konnte. Nun hat der Neobroker offenbar eine Banklizenz der Finanzaufsicht BaFin beantragt, womit es als erst drittes deutsches Startup Vollbankstatus erlangen könnte.

Bafin-Antrag ist gestellt! Trade Republic will Vollbank werden – Finanz-Szene

Honorable mention: Die deutsche Startupszene wartet auf die Reform der Mitarbeiterbeteiligungen (ESOP), welche das Finanzministerium vorgestellt hatte. Diese traf überwiegend auf Zuspruch, doch inzwischen ging es so oft hin und her, dass Beobachter sich lieber erst freuen, wenn das Gesetz durch ist. Im Kern geht es darum, die Beteiligungen, welche der Startupszene besonders zugute kämen, zu entbürokratisieren und steuerlich zu entlasten.

Reaktionen auf Lindners ESOP-Vorstoß: „Da geht noch mehr“ – Gründerszene

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