Das 2022 Jahresreview Teil 3 Business.

Das 2022 Jahresreview Teil 3: Business

Die Themen:
Tech-Crash | Krypto & Co. | Meta | Twitter | Startups

Business in 2022_

(insgesamt 12 Minuten Lesezeit)

Viele Unternehmen erlebten ein schwieriges 2022: Die steigenden Preise erhöhten ihre Kosten, während Verbraucher zurückhaltender an den Ladenkassen blieben; steigende Leitzinsen machten Investitionen weniger attraktiv. Unser Jahresreview zu Wirtschaft (Teil 2) erklärte die makroökonomischen Umstände genauer. An den Aktienmärkten – längst kein perfektes Spiegelbild der Realwirtschaft – führte die Verunsicherung stellenweise zu einem regelrechten Blutbad.

Gleichzeitig blieben viele Firmen resilient oder konnten sogar Rekordergebnisse einfahren, da sie höhere Preise durchsetzten – mal, weil tatsächlich mehr Nachfrage herrschte; mal, weil die Preiserhöhungen inmitten der Inflation nicht allzu negativ auffielen. Anders als in den vergangenen Jahren war es diesmal vor allem der Techsektor, welcher litt, während sich “klassische” Branchen – Autos, Luftfahrt, viele Energiekonzerne – ordentlich oder sehr gut schlugen. Im (Tech-armen) Deutschland gelang den DAX40-Konzernen gar ein Rekordgewinn, wenn der verstaatlichte Energiekonzern Uniper ausgeklammert wird. 

Hier nun ein Blick auf einige Trends und große Storys in der Business-Welt der vergangenen zwölf Monate. Er ist Tech-lastig, denn der Sektor schrieb 2022 fraglos am meisten Schlagzeilen.

Der Tech-Crash

(2 Minuten Lesezeit)

Quelle: Eva K.

Für den sehr breit definierten Techsektor endete 2022 zumindest vorläufig ein 15 Jahre langer Erfolgsmarsch, welcher in der Wirtschaftsgeschichte seinesgleichen suchte. Sowohl die Königsklasse – Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta – als auch die von whathappened “zweite Riege” getaufte Gruppe an jüngeren, spezialisierteren Technologiefirmen (z.B. Videokonferenztool Zoom, Neobroker Robinhood oder Sportgerätehersteller Peloton) flogen zu nah an die Sonne. Ohne sogleich einen Aktienkurs nach dem anderen aufzuzählen, wollen wir doch ein markantes Beispiel für das Massaker an den Märkten liefern: Apple erreichte am 2. Januar 2022 als erstes und bislang einziges Unternehmen einen Marktwert von 3 Billionen (!) USD. Am 3. Januar 2023, ein Jahr später, liegt der Marktwert bei 2,07 Billionen USD. Das ist eine ganze Billion weniger. Zum Vergleich: Der gesamte DAX40 ist knapp 1,5 Billionen USD wert.

Mit einem Drittel Kursrutsch geht es dem wertvollsten Unternehmen der Welt dabei noch relativ gut. Peloton, der Hersteller von smarten Sportgeräten, verlor 75 Prozent Marktwert. Beim deutschen Lieferdienst Delivery Hero sah es im Mai ähnlich aus, bis Jahresende rettete er sich auf lediglich 55 Prozent minus. Streamingfirma Netflix ist mit 45 Prozent im roten Bereich. Die “dissonanten Töne” am Aktienmarkt, welche die whathappened-Redaktion in ihrem Review vor genau einem Jahr erkannt hatte, gerieten 2022 zur Kakophonie. 

Die Gründe für den Techcrash sind, in aller Kürze, vor allem in der Makroökonomie zu suchen. Die direkten Folgen der Inflation und die Verschärfung der Geldpolitik in den Industriestaaten geriet für viele Techfirmen zum Geschäftsrisiko und trieb Kapital aus ihren Aktien – gerade dort, wo Firmen noch keine Profite machten und demnach auf regelmäßige Kapitalzuschüsse angewiesen waren. Wir erklärten mehr in unserem Explainer aus Mai, als der Techcrash in vollem Gange war:

Big Tech, die zweite Riege und der Crash – whathappened, Mai 2022

Im Fadenkreuz

Als wäre der Techcrash nicht schon genug, erlebten Digitalfirmen auch noch viel Regulation. Die EU verabschiedete den Digital Services Act (DSA), welcher sogenannte “Gatekeeper”, also Plattform-kontrollierende Techfirmen wie Amazon und Apple, an eine engere Leine legt, um freien Wettbewerb zu sichern. In den USA wurde ein Gesetz diskutiert, welches das Aufbrechen von Techkonzernen erleichtern würde sowie ein Komplettverbot der Kurzvideo-App TikTok. Immerhin China ließ 2022 ein wenig von seinen Techgiganten ab, nachdem es ihnen 2021 erklärt hatte, dass Partei vor Profite geht.

Krypto & Co.: Kein Jahr für Memes_

(2,5 Minuten Lesezeit)

Quelle: Youtube.

Krypto’s annus horribilis

“Der Aktienmarkt geriet 2021 zum Meme”, titelte whathappened vor einem Jahr. Privat- und Profianleger hatten zu viel Geld übrig und zu wenige Ideen, was sie damit noch tun konnten. Also flossen Unmengen an Kapital in exotische Assets wie GameStop-Aktien, NFTs und Kryptowährungen. No longer. Im Jahr 2022 herrschte Nüchternheit und Totengräberstimmung am Markt, siehe oben. “Meme stocks” gab es 2022 im Grunde gar keine mehr, NFTs spielten ab der zweiten Jahreshälfte keine Rolle und Kryptowährungen haben kollektiv seit ihrem Hoch im November 2021 rund 72 Prozent an Marktwert verloren, mit Flaggschiffwährung Bitcoin etwa 62 Prozent im Minus. Damit hat das Jahr 2022 vorläufig bewiesen, dass Kryptowährungen – zumindest die bisher popularisierten – auf jeden Fall riskante Assets sind und die stets dubios wirkenden Versprechungen von Krypto als “Inflationsanker” ein Irrtum waren.

Für Krypto war es annus horribilis, ein Schreckensjahr. Da wäre der besagte Preisabsturz, welcher für die hartgesottene Kryptoszene allerdings nicht unbedingt etwas Neues ist. Die Loyalität der Loyalisten ist allerdings auch nicht das Problem – sondern, dass der Kollaps viele Privatanleger, die breitere Öffentlichkeit und Regulatoren verschreckt haben dürfte, obwohl es ebendiese für die nachhaltige Kommerzialisierung von Kryptowährungen bräuchte.

Noch schwerer wogen die Storys, welche große Kryptofirmen schrieben. An erster Stelle steht selbstverständlich die einst drittgrößte Kryptoplattform der Welt, FTX, welche noch im Frühjahr als guter Samariter wackelnde Wettbewerber aufgepäppelt hatte, doch im Herbst selbst in Liquiditätsschwierigkeiten geriet. Drumherum wurde plötzlich ein möglicher Betrugsskandal bekannt, genaugenommen möglicherweise einer der größten in der Geschichte der USA. FTX zerbrach rasch und lautstark; der exzentrische Gründer Sam Bankman-Fried ist in Haft, Milliarden von Kundengeldern vorläufig verschollen. Neben FTX kollabierten zuvor auch die Währung TerraUSD/Luna, der Kryptofonds Three Arrows Capital, die Handelsplattformen Celsius und BlockFi sowie eine ganze Reihe weiterer Firmen. Die Szene hat schon manche “Krypto-Winter” erlebt, doch dieser fühlt sich anders an. 

7 biggest crypto collapses of 2022 the industry would like to forget – CoinTelegraph


Erinnerst du dich an SPACs?

Auch ein anderer Begriff der “Covid-Manie” trat 2022 überhaupt nicht mehr auf: SPACs. Die besonderen Börsenvehikel (Special Purpose Acquisition Vehicles), bei denen eine börsennotierte, leere Mantelgesellschaft eine private Firma aufkauft, um sie so ohne langwierigen IPO-Prozess an die Börse zu bringen, waren 2020 und 2021 der heiße Schrei. Im vergangenen Jahr gab es aufgrund der generellen Unsicherheit nur 129 SPAC-Deals, knapp die Hälfte des Vorjahres. Der Gesamtwert fiel gar um fast 80 Prozent auf nur 8 Milliarden USD. Kein Wunder: Als die Märkte am Überhitzen waren und Investoren mit dem (seinerzeit billigen) Geld nur so um sich warfen, wollten viele Firmen an die Börse, selbst wenn sie eigentlich viel zu klein oder profitschwach für einen klassischen Börsengang waren. Auf dem öffentlichen Parkett trafen sie auf vorfreudige Anleger, welche hinter jeder Gelegenheit das mögliche nächste Renditewunder sahen. Jetzt, wo das Motto “Unsicherheit” lautet, haben weder Firmen noch Investoren sonderlich Lust auf SPACs.

Meta benötigt dein Vertrauen nicht_

(1,5 Minuten Lesezeit)

Quelle: dronepicr

Techkonzern Meta, einst Facebook, ist inmitten des Techcrashs eine gesonderte Erwähnung wert. Im Februar kündigte das Unternehmen den Absturz der Techwerte gewissermaßen an. Meta hatte schwache Quartalszahlen, vor allem bei der Zahl der aktiven Nutzer, geliefert und verlor innerhalb einiger Tage beeindruckende 40 Prozent an Marktwert, fiel von rund einer Billion USD auf etwa 600 Milliarden USD. Ein Tagesverlust von 237 Milliarden USD erzielte gar einen Negativ-Weltrekord.

Der Konzern kämpfte mit harter Konkurrenz durch TikTok, einem feindseligen Manöver durch Apple und seinem eigenen Versuch, sich umzuerfinden: Metaverse und Hardware statt Social Media und Werbung. Jeden Monat verbrannte Meta Milliarden, um in seine Metaverse-Division RealityLabs zu investieren – wobei die Wortwahl hier natürlich eine Rolle spielt. Aus Metas Sicht ist der Strategiewandel zukunftsweisend und sichert eine Vorreiterolle in einer zentralen Technologie, welche womöglich so wichtig wie das Internet wird. Der Konzern könnte damit durchaus Recht behalten, schließlich lässt sich auf so lange Sicht nur spekulieren. Fraglos ist, dass nur wenige andere Firmen besser für ein gewagtes long game ausgestattet sind als das finanzstarke Meta. Die Investoren sehen das jedoch ganz anders: Sie warfen Meta Quartal für Quartal fluchtartig aus den Portfolios; mit über 60 Prozent Wertverlust im vergangenen Jahr ähnelt die Firma eher der “zweiten Riege” des Techsektors als der Königsklasse, welche resilienter blieb. Erneut lohnt sich, das nicht überzubewerten: Der Aktienpreis einer Firma spielt für ihre Geschäftstätigkeit in der Regel nur eine kleine Rolle.

Facebook und die letzte Chance – whathappened, Februar 2022

Meta Platforms Is A Hold Until Mark Zuckerberg Changes His Views – Seeking Alpha

Opinion: The metaverse is inevitable – MarketWatch

Die Elon-Musk-Saga_

(3 Minuten Lesezeit)

Manche Waschbecken sollte man nicht hereinlassen. Quelle: Twitter
 


Twitter’s coming home

Die Lieblingsstory der Schlagzeilen darf selbstverständlich nicht fehlen. Elon Musk übernahm 2022 Twitter, was gemeinsam mit Donald Trump als US-Präsidenten zur Kategorie “nicht die Zukunft, die wir erwartet hatten” gehört. Der exzentrische Milliardär und CEO von SpaceX, Tesla und Boring Company ärgerte sich offenbar über die Strategie des Kurznachrichtendiensts und legte deswegen 44 Milliarden USD auf den Tisch – ein Preis pro Aktie von 54,20 USD, wobei die “4,20” eine hereingeschmuggelte Cannabis-Referenz gewesen sein dürften. Das war im Endeffekt nur ein Vorbote auf eine absurde Story, welche nur absurder werden sollte. Elon Musk trat 2022 weniger als Innovator, denn als Exzentriker auf.

Erst wollte der Milliardär den Deal allem Anschein nach auf Eis legen oder umverhandeln, doch das Unternehmen drückte auf die Umsetzung des unterschriebenen Kaufvertrags. Nach einigen Wochen Gerichtsdrama vollzog Musk den Kauf – und tauchte mit einem Waschbecken in der Unternehmenszentrale auf (“let that sink in” bedeutet “Lass das mal sacken”, aber kann wortwörtlich eben auch “Lass das Waschbecken herein” lauten).

Es folgte eine radikale Umstrukturierung der Firma und pures Chaos, welches sich vor den Augen der Öffentlichkeit abspielte:

  • Musks neues Team entließ rund die Hälfte der Belegschaft (und musste einen Teil wieder zurückholen);
  • Es brachte im Sinne einer maximalistischen Interpretation von Meinungsfreiheit Ex-Präsident Trump und zahlreiche weitere gesperrte Konten zurück (doch sperrte US-Rapper Kanye West wieder, nachdem er etwas zu antisemitisch wurde)
  • Es ersetzte ein System, welches öffentlich relevante Konten verifizierte durch eines, in welchem sich Verifizierungen einfach kaufen ließen (doch musste etwas zurückrudern, nachdem das zu massenhaft Streichen geführt hatte)
  • Es sperrte Journalisten, weil diese offenbar unvorteilhaft über Musk berichtet hatten (doch ließ sie kurz darauf wieder zurück)
  • Und so viel mehr, dass es den Rahmen dieses Jahresreviews sprengen würde…

Die Medien liebten das Musksche Twitter-Drama und die Nutzer wohl ebenso, insofern man Musks Aussagen Glauben schenken darf, dass die Aktivität auf der Plattform in den vergangenen Monaten kräftig angestiegen ist. Die whathappened-Redaktion blickt relativ nüchtern (wenn auch mit etwas voyeuristischer Faszination) auf das Geschehen: Twitter ist nicht systemrelevant; die Gesellschaft funktioniert auch ohne die Plattform, trotz ihres Nutzens bei der Informationsverbreitung. Ihre Fähigkeit, die Tagespolitik oder Wahlen zu beeinflussen, ist kaum größer als jene anderer (sozialer) Medien. Damit ist Musks radikales Twitter-Experiment beklagenswert für jene, welche das “alte” Twitter mochten, doch darüber hinaus nicht die außerordentliche Aufmerksamkeit wert, welche es von den Medien gezollt bekommen hat. Die whathappened-Redaktion erkennt die Ironie darin, dass sie dem Spektakel gerade sehr viel Platz im Jahresreview einräumt, an. Voyeurismus, eben.

Slumping revenue, Tesla woes and a ‘resignation’: Musk’s wild reign at Twitter so far – The Guardian

Aus Analystensicht ist derweil die große Frage, ob Musk die Werbetreibenden auf der Plattform halten beziehungsweise zu ihr zurückbringen kann – das wird vermutlich über Twitters Überleben entscheiden. Derzeit tut sich Twitter dabei anscheinend schwer; das Chaos und die Politisierung der Plattform schrecken Unternehmen ab. Gleichzeitig dürften viele auch einfach aufgrund der breiteren Wirtschaftsunsicherheit etwas in ihren Werbebudgets zurückstecken und hoffen, das Twitter-Chaos aussitzen zu können, bevor sie irgendwann zurückkehren.

Numerous Strategies Have Failed To Get Advertisers Back On Twitter – Forbes


Papa, where art thou?

Als Musk Ende Dezember in einem eigens initiierten “Twitter-Referendum” dazu aufgefordert wurde, die Geschäftsführung abzugeben, dürfte das niemanden so sehr gefreut haben wie die Investoren von Tesla. Der CEO wird aufgrund seines Twitter-Abenteuers bei seinen anderen Firmen vermisst, insbesondere da sie relativ stark auf Musk als Aushängeschild angewiesen sind – Tesla führt beispielsweise überhaupt kein aktives Marketing durch. Dazu kommt, dass der CEO Tesla-Anteile verkauft, um Geld in Twitter stecken zu können. Der Autobauer verlor rund zwei Drittel seines Marktwerts, seitdem klar gewesen ist, dass die Twitter-Übernahme stattfinden wird. Darüber hinaus ist es das normale Chaos bei Tesla: Analysten vermissen den Cybertruck; in der Gigafactory in Berlin scheint Unzufriedenheit zu herrschen.

Tesla Analyst Warns Situation Could Turn Uglier If Elon Musk Doesn’t Change Course, Lists 10-Point Plan For Reversing Sentiment– Benzinga

Die Lage in Deutschland_

(1 Minute Lesezeit)

Oliver Blume, ganz links. Quelle: Matti Blume


Ein Rekordjahr

Die genauen Folgen der aktuellen “Polykrise”, in unserem Wirtschaft-Jahresreview genauer beschrieben, werden sich wohl erst im neuen Jahr zeigen. Grundsätzlich lässt sich aber festhalten: Große Konzerne in Deutschland schnitten gut ab, kleine und mittlere Firmen taten sich mit Energiekrise und Inflation besonders schwer.

Die DAX40-Konzerne konnten 2022 kollektiv 1,8 Billionen EUR Umsatz verbuchen, 30 Prozent mehr als im Vorjahr und ein neues Rekordniveau. 93 von 100 Firmen legten ein Umsatzwachstum hin. Auch der operative Gewinn (EBIT), bei welchem gewisse Sondereffekte ausgeklammert sind, stieg um 9 Prozent auf ein Rekordniveau von 145 Milliarden EUR – insofern man Gaskonzern Uniper ausklammert, welcher gleichzeitig mit 213 Milliarden EUR den höchsten Umsatz des Jahres und mit 45 Milliarden EUR den größten Verlust in der bundesdeutschen Wirtschaftsgeschichte angehäuft hatte. Das gute Ergebnis gelang den deutschen Konzernen dank starker Nachfrage und günstigen Währungseffekten: Ein starker US-Dollar lässt beispielsweise das wichtige USA-Geschäft der Autobauer in Euro übersetzt umsatzstärker geraten.

Deutsche Unternehmen erzielen 2022 Rekordgewinne– FAZ

Chefwechsel

Bemerkenswerte Ereignisse im Jahr 2022 waren der überraschende Rücktritt von VW-Chef Herbert Diess im Juli; stattdessen übernahm Oliver Blume. Wenige Monate später ging Porsche fulminant an die Börse: Der zweitgrößte Börsengang in der deutschen Geschichte, einer der größten weltweit. Auch bei Sportartikelhersteller Adidas, Reisekonzern TUI und Deutsche-Bank-Fondstochter DWS wurden die Chefposten neu besetzt. Um den Hamburger Hafen und ein Übernahmegesuch der chinesischen Reederei Cosco brach eine politische Debatte aus (letzten Endes gestattet), um einen Dortmunder Chiphersteller ebenso (letzten Endes verboten). Die gerichtliche Aufarbeitung des Wirecard-Skandals beginnt und dürfte noch bis 2024 oder länger andauern. 

Startups in 2022_

(2 Minute Lesezeit)

Symbolbild. Quelle: RedGazelle15
 

Es war kein gutes Jahr für die Startup-Szene, aus denselben Gründen, welche auch für den Tech-Crash gelten. Vorsichtigere Investoren hielten Wagniskapital zurück, was die Szene spätestens ab der zweiten Jahreshälfte akut zu spüren bekam. Der größte Absturz war das schwedische Fintech Klarna, welches von einer Bewertung von 40 Milliarden USD – eines der größten Startups der Welt – auf 8 Milliarden USD herabsank, womit es gerade noch unter den größten Europas ist.

Anderen Startups erging es allerdings noch schlechter. Zu den deutschen Insolvenzen des Jahres gehörten Luxusuhren-Startup Watchmaster, Kuchenrezeptanbieter Kuchentratsch, Fintech Nuri (welchem die Zusammenarbeit mit der Kryptofirma Celsius zum Verhängnis geriet) und das Altersvorsorge-Startup Vantik. Quick-Commerce-Urgestein Gorillas hat derweil nach monatelanger Krise aufgegeben und sich vom türkischen Konkurrenten Getir aufkaufen lassen, übrigens Berichten zufolge rund um die Hälfte günstiger, als es noch in einer früheren Finanzierungsrunde bewertet worden war.

Der Gorillas-Kauf ließe sich unter Umständen auch als Erfolg interpretieren, immerhin ist es ein Exit (nur eben vielleicht kein in dieser Form gewollter). Weitere Exits gelangen in Deutschland dem Gewürz-Startup Ankerkraut, dessen Verkauf an Lebensmittelgigant Nestlé für Kontroversen sorgte, dem Berliner Fintech Orderbird, dem Geschäftskontenanbieter Penta und dem Klimastartup Planetly, welches kurz darauf vom neuen Eigentümer OneTrust aufgelöst wurde.

Diese Startups mussten 2022 Insolvenz anmelden – Gründerszene

Das waren die größten Exits des Jahres – Gründerszene

Im Großen und Ganzen blieb die Startupszene resilient im Krisenjahr 2022. Von Klarnas heftigem Bewertungsabsturz abgesehen, gab es keine Schockmomente und verloren gegangen ist unter den größeren Startups nur Gorillas. Allerdings gab es Entlassungen und Strategiewechsel, da sich die Firmen darauf einstellen, einen längeren runway besitzen zu müssen – sie wollen also imstande sein, mehr Monate ohne neue Finanzierung auszukommen. Das bedeutet mehr Profitabilität und in der Regel weniger Wachstum. Startups streichen Projekte, verkleinern Teams und geben Standorte mit wenig Profitperspektive auf. 

Für all jene Leser, welche wenig mit der Startupszene anfangen können, hat die Situation etwas Gutes: Sie werden weitaus seltener von Tiger Global, SoftBank oder Quick Commerce hören müssen, an welchen es 2021 kein Vorbeikommen gegeben hatte. Das neue Jahr dürfte dem jetzt vergangenen ähneln.

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